Warum Sichtbarkeit wichtig ist
Als Personalvermittlung mit einer Spezialisierung im MINT-Bereich liegt unser Fokus bei Professional Scientists auf der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Arbeitnehmer*innen, die wir erfolgreich zusammenbringen. Dafür ist es wichtig, den Ist-Zustand des Arbeitsmarktes zu verstehen und seine Entwicklung zu beobachten, um darauf reagieren zu können. Das ist aber nicht alles. Wir verstehen uns nicht nur als passive Mitspieler*innen in einem System, an das wir uns lediglich anpassen. Vielmehr gehört es zu unserem Selbstverständnis, im Rahmen unserer Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen und aktiv mitzugestalten. Ein Thema, das uns dabei besonders am Herzen liegt, ist die Sichtbarkeit von Frauen in MINT-Berufen. Deshalb veröffentlichen wir künftig Porträts, Interviews und informative Artikel rund um das Thema „Frauen in MINT-Berufen“.
Fortschritte, aber noch keine Gleichstellung
Als Team, das ausschließlich aus Frauen besteht, sind uns die zusätzlichen Hürden und Herausforderungen im Arbeitsleben und bei der Karrieregestaltung gut bekannt. Hürden, die größer sein können, wenn man als Frau in einem männlich dominierten Berufsfeld arbeitet. Im MINT-Bereich ist das leider immer noch der Fall und das, obwohl sich immer mehr Frauen für ein MINT-Studium entscheiden. Laut Statistischem Bundesamt waren im Studienjahr 2024 ein Drittel, also 36 % der Studienanfänger*innen im MINT-Bereich Frauen. Das sind laut dem Magazin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung dreimal so viele, wie noch vor 20 Jahren. Unter den Beschäftigten im MINT-Bereich im Jahr 2024 sind Frauen mit 16,4% jedoch weiterhin deutlich unterrepräsentiert, wie das Institut der Deutschen Wirtschaft schreibt. Die Zahlen zeigen also eine positive Entwicklung bei der Studienwahl. Im Beruf sind Frauen noch deutlich seltener vertreten.
Warum entscheiden sich noch immer weniger Frauen für MINT?
Als Erklärungsansatz für diese weiterhin bestehende Ungleichverteilung nennt eine Studie der Universität Bamberg verschiedene Gründe. So seien Mädchen in der Schule im Verhältnis häufig besser in Deutsch als in Mathematik. Anders als oft angenommen, sind Jungen aber nicht besser in Mathematik als Mädchen. Mathematik ist bei ihnen lediglich häufiger das stärkste Fach, während Mädchen oft auch in anderen Fächern sehr gute Leistungen erzielen. „Das heißt, es kommt bei der MINT-Entscheidung wohl weniger auf die Mathematiknote allein an, sondern darauf, in welcher Beziehung die Mathematikleistung zur Deutschleistung steht“, so die Bamberger Forscher*innen.
Weniger Einfluss auf die Entscheidung hätten demnach mittlerweile stereotype Rollenzuschreibungen. Die Forschenden sehen hier zwar eine positive Entwicklung, betonen jedoch auch, dass Lehrkräfte und Schulen die „Kompetenzen von Mädchen und jungen Frauen im Fach Mathematik noch stärker betonen“ könnten, um „traditionelle Begabungszuschreibungen“ nicht weiter zu reproduzieren. Mädchen erhalten häufig weniger Ermutigung, ihre Fähigkeiten in MINT-Fächern auszuschöpfen, und entwickeln dadurch eher Zweifel an den eigenen Kompetenzen. Die Folge: Viele trauen sich selbst weniger zu, obwohl ihre Leistungen etwas anderes zeigen.
Warum verlassen viele Frauen den MINT-Bereich wieder?
Laut IAB Forum geht es jedoch nicht nur um die Studienwahl. Bereits 2022 schrieb das Magazin, dass lediglich 56 % der Frauen – im Vergleich zu 70 % der Männer – in den ersten fünf Jahren nach Abschluss ihres MINT-Studiums tatsächlich in einem MINT-Beruf arbeiten. Als möglichen Erklärungsansatz nennt das IAB unter anderem eine amerikanische Studie, nach der es für Frauen schwieriger ist, sich in einem männlich dominierten Arbeitsumfeld langfristig zu etablieren.
In der Schule sind Mädchen und Jungen in der MINT-Bildung also zunächst weitgehend gleich auf. Nach der Schule entscheiden sich dennoch weniger Frauen für ein MINT-Studium. Und viele von denen, die diesen Weg einschlagen, arbeiten nach ihrem Abschluss später nicht dauerhaft in einem MINT-Beruf. Hinzu kommt die nach wie vor ungleiche Verteilung von Care Arbeit. Frauen übernehmen weiterhin den größeren Teil familiärer Sorgearbeit – etwa bei der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen. Gleichzeitig sind viele Arbeitsstrukturen immer noch nicht ausreichend auf diese Realität ausgerichtet. Fehlende Flexibilität und unzureichende Betreuungsangebote führen dazu, dass Frauen ihre berufliche Laufbahn häufiger unterbrechen, in Teilzeit arbeiten oder sich beruflich neu orientieren.
Ein strukturelles Problem
Die geringe Repräsentation von Frauen im MINT-Bereich ist deshalb kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem. Mädchen und Frauen werden aufgrund überholter Geschlechterstereotype in der Schule und darüber hinaus oftmals weniger in MINT-Fächern gefördert und viele Arbeitsstrukturen sind noch nicht ausreichend auf unterschiedliche Lebensrealitäten ausgerichtet. Gleichzeitig begegnen Frauen auch im Berufsleben möglichen diskriminierenden oder benachteiligenden Strukturen. So sind die Gehälter häufig niedriger und die Aufstiegschancen geringer.
Warum Repräsentation so wichtig ist
Warum es so wichtig ist, dass Frauen im MINT-Bereich vertreten sind, sollte eigentlich nicht erklärungsbedürftig sein. Dennoch zeigen einige Beispiele, welche Folgen es haben kann, wenn der weibliche Blickwinkel fehlt. So wurden Autos lange Zeit nur mit männlichen Crash-Test Dummies getestet. Das führte dazu, dass Frauen bei Verkehrsunfällen deutlich stärker gefährdet sind als Männer. Ähnliches gilt für Medikamente oder medizinische Studien. Je weniger vielfältig die Perspektiven sind, die in einem Beruf vertreten sind, desto größer ist die Gefahr, dass Produkte und Innovationen nicht allen Menschen gleichermaßen gerecht werden.
Sichtbarkeit schafft Vorbilder
Repräsentation ist also entscheidend. Es ist wichtig, dass Frauen in MINT-Berufen sichtbar sind und als Vorbilder für Frauen und Mädchen dienen. Mehr Sichtbarkeit kann dazu beitragen, bestehende Rollenbilder aufzubrechen und zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten und Perspektiven im MINT-Bereich sind.
Autorin
Marie Duerr
Spezialistin Öffentlichkeitsarbeit


















