Praxisbeispiel: Wenn der Standort zur größten Recruiting-Herausforderung wird

Über ein Jahr lang blieb eine Entwicklungsposition für eine*n Physiker*in unbesetzt. Nicht wegen mangelnder technischer Attraktivität oder fehlender Karriereperspektiven, sondern wegen eines Faktors, den viele Unternehmen außerhalb der großen Ballungsräume kennen: des Standorts.

Genau mit dieser Herausforderung wandte sich ein technologieorientiertes Unternehmen an Professional Scientists. Gesucht wurde ein*e hochqualifizierter*te Physiker*in für eine anspruchsvolle Entwicklungsaufgabe. Die Projekte waren spannend, die Position fachlich reizvoll und der Unternehmensname in der Branche bekannt. Dennoch entschieden sich potenzielle Kandidat*innen immer wieder für Alternativen in städtischen Regionen.

Als spezialisierte Personalberatung begleitet Professional Scientists seit vielen Jahren genau solche anspruchsvollen Besetzungen. Mit Praxisbeispielen aus unterschiedlichen Projekten zeigen wir, worauf es bei schwer zu besetzenden MINT-Positionen wirklich ankommt.

Eine Vakanz, die über ein Jahr unbesetzt blieb

Das Unternehmen aus unserem Praxisbeispiel verfügte über viele Eigenschaften, die Fachkräfte normalerweise anziehen: spannende Entwicklungsprojekte, moderne Arbeitsbedingungen und eine langfristige Perspektive. Trotzdem blieb die Position über ein Jahr hinweg unbesetzt.

Fach- und Personalabteilung hatten bereits zahlreiche Gespräche geführt, ohne eine erfolgreiche Besetzung zu erreichen. Als Professional Scientists in den Prozess eingebunden wurde, war der Handlungsdruck entsprechend hoch.

Nach einer ersten Analyse zeigte sich schnell, dass die Herausforderung tiefer lag als zunächst angenommen. Die fachlichen Anforderungen waren anspruchsvoll, aber keineswegs unrealistisch. Das eigentliche Hindernis lag an anderer Stelle und nun stand eine Frage im Mittelpunkt, die viele Unternehmen außerhalb der großen Ballungszentren beschäftigt: Wie gewinnt man hochqualifizierte MINT-Fachkräfte, wenn nicht die Position, sondern der Standort zur größten Herausforderung wird?

Wenn nicht die Position, sondern der Standort die Hürde ist

Denn für viele Fachkräfte spielen bei der Wahl des Arbeitgebers längst nicht mehr ausschließlich Aufgabenbereiche und Vergütung eine Rolle. Faktoren wie Work-Life-Balance, Flexibilität, Lebensqualität, Infrastruktur und persönliche Perspektiven gewinnen zunehmend an Bedeutung. Eine Studie der Wirtschaftswoche aus dem Jahr 2023 zeigt, das insbesondere junge Arbeitnehmer*innen bei der Arbeitgeberwahl großen Wert auf Work-Life-Balance und weitere Rahmenbedingungen ihres Umfelds legen. Gerade bei einem Standort außerhalb der großen Ballungsräume müssen diese Aspekte daher aktiv in den Recruitingprozess einbezogen werden.

Transparenz und gezielte Auswahl

Der erste Schritt bestand somit in einem offenen und detaillierten Austausch mit den Verantwortlichen im Unternehmen. Dabei ging es nicht nur um die fachlichen Anforderungen, sondern auch um das Umfeld, die Erwartungen an künftige Mitarbeiter*innen und die langfristige Perspektive der Position. Je klarer dieses Gesamtbild war, desto gezielter ließ sich die Suche aufsetzen.

Parallel dazu wurde auch im Austausch mit potenziellen Kandidat*innen bewusst auf Transparenz gesetzt. Themen wie Wohnungsmarkt, Pendelmöglichkeiten, Freizeitangebote, Infrastruktur und individuelle Lebensplanung wurden frühzeitig angesprochen. Nicht als Randaspekte, sondern als fester Bestandteil der Entscheidung. Ziel war es nicht, möglichst viele Kandidat*innen zu vermitteln, sondern diejenigen zu identifizieren, für die sowohl die Position als auch das Umfeld langfristig attraktiv sein würden.

Wie aus einer schwierigen Standortfrage eine erfolgreiche Besetzung wurde

Die Wirkung dieses Vorgehens zeigte sich nach kurzer Zeit. Während die Position zuvor mehr als ein Jahr unbesetzt geblieben war, konnten innerhalb von nur zwei Monaten mehrere geeignete Kandidat*innen identifiziert und vorgestellt werden.

Die Gespräche verliefen verbindlicher als zuvor, weil Erwartungen und Rahmenbedingungen von Anfang an offen kommuniziert wurden. Kandidat*innen konnten realistisch einschätzen, was sie fachlich und persönlich erwarten würde, während das Unternehmen ein klareres Bild der Motivation potenzieller Arbeitnehmer*innen erhielt. Schließlich entschied sich der Wunschkandidat bewusst für die Position und den Standort.

Mit der Vertragsunterzeichnung war der Prozess jedoch nicht abgeschlossen. Gerade bei Standortwechseln spielt die Zeit nach der Zusage eine entscheidende Rolle. Auch in diesem Fall wurde der Kandidat während der Übergangsphase eng begleitet. Heute ist er weiterhin Teil des Unternehmens und die Zufriedenheit auf beiden Seiten nach wie vor groß.

Was dieses Praxisbeispiel zeigt

Gerade bei Standorten außerhalb der großen Ballungszentren sind Transparenz, Marktverständnis und ein strukturierter Auswahlprozess entscheidend. Wer offen kommuniziert und die relevanten Faktoren frühzeitig anspricht, schafft Vertrauen und erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine langfristige Besetzung.

Wenn Sie aktuell vor einer ähnlichen Herausforderung stehen oder sich fragen wie Sie spezialisierte MINT-Fachkräfte passgenau erreichen können, lohnt sich ein Blick von außen.

Sprechen Sie mit uns – Wir freuen uns auf den Austausch.

Autorin

Marie Duerr

Ich bin Perosonalexpertin.